Marita Lintener

Zum Weltfrauentag 2022 ein Interview mit unserem Member Marita Lintener

Skyguide verantwortet die Schweizer Flugsicherung. Und Skyguide zeigt am heutigen Weltfrauentag , dass in der noch mehrheitlich männlich geprägten Aviation Frauen herausragende Rollen einnehmen. So wird der Schweizer Luftraum am Internationalen Frauentag überwiegend von Flugverkehrsleiterinnen geführt. Skyguide fördert seit etwa 10 Jahren die Vielfalt als einen wichtigen Teil der Unternehmensstrategie.

In der Zeitschrift "Ladies Drive", einer in der DACH Region auch am Kiosk erhältlichen Zeitschrift, werden aktuell die Frauen von Skyguide porträitiert – darunter auch unser Member Marita Lintener. Diesen Teil der Veröffentlichung zitieren wir hier.

 

Im Gespräch mit Marita Lintener (Head of International Affairs, Skyguide)

Könnten Sie sich bitte kurz in 2-3 Sätzen vorstellen, Ihre Funktion und wie Sie dazu gekommen sind?
"Nach mehr als 30 Jahren in der Luftfahrtbranche bin ich seit Anfang 2021 bei Skyguide als Leiterin International Affairs tätig. Zuvor habe ich mit allen Industriepartnern entlang der Wertschöpfungskette zusammengearbeitet, sowohl für die grossen Fluggesellschaften in Europa als auch mit dem öffentlichen Sektor, z.B. der Europäischen Kommission, in SESAR und mit internationalen Agenturen. Ursprünglich begann ich meine Karriere bei Lufthansa Airlines, nachdem ich meinen Master in Wirtschaftswissenschaften gemacht hatte. Im Rahmen meiner Pro-Bono-Aktivitäten bin ich derzeit Mitglied des Vorstands der International Aviation Women’s Association (IAWA) als VP Europe & Africa und wurde 2019 von der EU-Kommissarin für Verkehr als „EU Diversity Ambassador“ ausgezeichnet. Ich bin Mutter von zwei erwachsenen Kindern, einer Tochter und einem Sohn.

Vor Skyguide waren Sie in verschiedenen Positionen in der Luftfahrt auf europäischer Ebene tätig. Die Luftfahrt ist bekanntlich ziemlich männerdominiert. Sind Sie auf Widerstand gestossen, weil Sie eine Frau sind?
Ich bin eigentlich nie auf einen besonderen Widerstand aufgrund des Geschlechts gestossen. Glücklicherweise habe ich eine Reihe von männlichen und weiblichen Förderern, die meinen Karriereweg und meine persönliche Entwicklung unterstützen. Allerdings wurde mir bald klar, dass immer weniger Frauen am Tisch sitzen, je höher man auf der Karriereleiter aufsteigt. Und ich stellte fest, dass dies vom männlichen Teil der Führungsteams kaum in Frage gestellt, sondern als `normal` angesehen wurde. Ich würde es eher als unbewusste Voreingenommenheit vieler Männer bezeichnen, die sich gerne an den Stand der Dinge und die von Männern dominierten Strukturen gewöhnt haben. Glücklicherweise ändert sich dies langsam, und es wird allgemein anerkannt, dass vielfältige Teams erfolgreicher sind.

Was sind Ihrer Meinung nach die Hindernisse und Hemmnisse bei der Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung?
Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen. Da es sich bei der Luftfahrt und dem Luftverkehrsmanagement um eher technische Bereiche handelt, sind in der Vergangenheit offensichtlich weniger Frauen in diesen Sektor eingestiegen. Um die Pipeline zu füllen, braucht unsere Branche alle Talente, und als Teil dieser Aktivität müssen wir Mädchen für die Luft- und Raumfahrt begeistern. Wir müssen das Interesse an den MINT-Fächern (Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen, Mathematik) fördern. Vorbilder spielen hier eine entscheidende Rolle! Und später müssen die Unternehmen die Frauen proaktiv an sich binden und ihre Karrieren entwickeln, wenn sie an Bord sind. Frauen ziehen eher als Männer in Erwägung, den Sektor zu verlassen, und werden eher durch negative Erfahrungen verdrängt, als dass sie durch neue Möglichkeiten angezogen werden.

Wie können Frauen Machtstrukturen überwinden?
Es geht nicht darum, „die Frauen zu korrigieren“, wie sie besser mit traditionell männlichen Machtstrukturen umgehen können. Wir müssen die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, ändern, und das schliesst alle Führungskräfte in einem Unternehmen ein. Die Anwerbung der besten Talente, die Unterstützung in der Mitte der Karriere und die Förderung des Aufstiegs in leitende Positionen müssen Hand in Hand gehen, um eine Kultur aufzubauen, die Frauen bewusst einbezieht. Die Bereitstellung flexibler Arbeitsstrukturen für Männer und Frauen in der Phase der Karriere, in der Frauen dazu neigen, das Unternehmen zu verlassen (wenn sie Kinder bekommen), um sie zu ermutigen, sich weiter zu engagieren. Als Navigationshilfe für Frauen würde ich empfehlen: Verbinden, inspirieren und führen.

Wenn Sie mit einer inspirierenden Frau zu Abend essen könnten, tot oder lebendig, wer wäre das und warum?
Es gibt einen weiteren Sektor, in dem es traditionell sehr wenige Frauen gibt, nämlich den Finanzsektor. Ich würde gerne mit Frau Christine Lagarde, der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, zu Abend essen. Sie hat sich ihren Weg durch die von Männern dominierte Politik in Frankreich gebahnt, war in der Führungsebene des IWF in den USA tätig und steht nun an der Spitze der EZB in Frankfurt. Sie setzt sich sehr für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis ein und trifft sich auf ihren weltweiten Geschäftsreisen regelmässig mit lokalen Frauendelegationen. Ich bin neugierig, was sie darüber zu sagen hat, wie man die Gleichstellung der Geschlechter und die Vielfalt am besten vorantreiben kann, da dies nun endlich Realität wird."

 

Quelle des Hintergrundbildes: Pixabay

Über die/den Autoren/in
Marita Lintener

Mit 30+ Jahren Management-Erfahrung im Transport- und Aviation-Sektor hat sich Marita Lintener global einen Namen in der Branche erworben. Sie hat mit allen Leistungspartnern der Wertschöpfungskette zusammengearbeitet, mit Lufthansa und anderen großen Airlines ebenso wie mit der Europäischen Kommission, internationalen Agenturen & Organisationen und in Private-Public-Partnerships.