Winfried Hagenhoff

Afrika vor rascher wirtschaftlicher Erholung und Boom in der Energiewirtschaft

Afrika wird nach der Corona-Krise schneller wachsen als vorher

Der Einbruch des GDP in Afrika war mit etwas mehr als 2% (knapp über 3% in Sub-Sahara-Afrika) vergleichsweise deutlich geringer als befürchtet. Für einen großen Teil des Rückgangs waren sinkende Rohstoffpreise und nur noch geringer Tourismus ursächlich. Beides dürfte rasch wieder auf Vorkrisenniveau kommen. Deshalb gehen wir von einer raschen Erholung aus.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich globale Lieferketten neu organisieren. Zudem gibt es ein hohes Interesse an Diversifizierung. Vor allem für einfachere Produktionsprozesse kommen Nord- und Ostafrika mit geringen Lohnkosten und vergleichsweise guter Ausbildung zunehmend in Frage. Automobilzulieferer und Textilindustrie sind dafür starke Beispiele. Solche Industrieentwicklung bringt erhöhte Anforderungen an Transport und Logistik mit sich – Verkehrswege-Entwicklung, Trucking Lösungen und den wirtschaftlichen (und klimatischen) Bedingungen angepasste Hardware (Trucks, Maschinen, Infrastruktur-Baustoffe) werden benötigt. China hat die daraus resultierenden Möglichkeiten früh erkannt, gewährt neben Krediten vor allem Aufbauhilfe und verfolgt eine expansive Strategie in der Inwertsetzung afrikanischer Märkte. Europa hat hier noch erheblichen Nachholbedarf – mit einem anderen politischen Konzept der Entwicklungs-Zusammenarbeit. Immerhin, 2018 und 2019 waren Rekordjahre deutscher Investitionen in Afrika. Und auch die Entwicklung der Luftverkehrsverbindungen in den letzten 5 Jahren vor der Krise zeigt einen Trend der Hinwendung zu dem Kontinent.

Für die Zeit nach der Erholung erwartet eine neue Studie des Afrika Zentrums der Hochschule Flensburg ein steileres Wachstum als vor der Krise. Wichtig ist allerdings, diese neuen Wirtschaftsbeziehungen richtig zu gestalten. Mit dem hohen Kostendruck der nach Afrika expandierenden Branchen (z.B. Automobilzulieferer) wird es auch vor dem Hintergrund des derzeit diskutierten Lieferkettengesetzes besonders wichtig, von Anfang an auf die Einhaltung internationaler Standards zu setzen. Das werde tendenziell eher bei Familienunternehmen aus Deutschland der Fall sein als bei asiatischen Konzernen. „Das derzeit in Berlin diskutierte Lieferkettengesetz halte ich allerdings für den falschen Weg. Es birgt hohe Risiken, dass gerade Mittelständler aus Sorge vor unübersichtlicher Bürokratie von Investitionen Abstand nehmen. Den Platz, der dann frei wird, werden dann beispielsweise chinesische Investoren einnehmen. Ich glaube nicht, dass das zu besseren Arbeitsbedingungen für die Menschen führt“, meint Dr. Stefan Liebing, Honorarprofessor am Afrika-Zentrum und Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Das Afrika-Zentrum der Hochschule* lege einen seiner Forschungsschwerpunkte auf die Frage von Nachhaltigkeit in Lieferketten und in der Textilwirtschaft in Afrika.

Nach Ansicht der Autoren der Studie* wird zudem schon bald der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft wesentlich zu Wachstum und Entwicklung in Afrika beitragen. Die Bundesregierung habe erkannt, dass eine vollständige Umstellung der deutschen Gesellschaft auf erneuerbare Energie nur möglich sei, wenn grüne Energie importiert werden könne. Dafür biete sich an, Solarstrom aus Afrika in Wasserstoff umzuwandeln und diesen nach Europa zu transportieren. Afrika biete sich wegen hoher Sonneneinstrahlung und geographischer Nähe zu Europa für solche Großprojekte an. „Ich bin mir sicher, dass in Afrika ein ganz neuer Wirtschaftszweig entstehen wird. Künftig werden wir nicht mehr so enorme Beträge an die Ölländer des Nahen Ostens überweisen, sondern unsere Energie auch in Afrika einkaufen“, zeigt sich Stefan Liebing überzeugt. Derzeit werde eine Vielzahl von Projekten deutscher Unternehmen verfolgt, mit erheblicher politischer Unterstützung. Das werde zu einer deutlichen Steigerung der Handelsbeziehungen und der Investitionen führen und somit auch zu einer weiteren raschen Steigerung des Wirtschaftswachstums.

* Autoren / Unternehmen:

Stefan Liebing (im Bild unten) ist Geschäftsführer der Conjuncta GmbH und Honorarprofessor am Centre for Business and Technology in Africa (CBTA) der Hochschule Flensburg. Als langjähriger Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft e.V. ist er ein Kenner des Kontinents und seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten. Der Co-Autor der Studie ist mit seinem Unternehmen Conjuncta GmbH Mitglied des Netzwerks von AAA Advisors und steht gern für einen vertiefenden Austausch zum Thema zur Verfügung.

Zu Conjuncta GmbH und AAA Advisors: Die Conjuncta GmbH (http://www.conjuncta.com) mit Stefan Liebing ist ein Business Alliance Partner von AAA Advisors. Business Alliance Partnerschaften dieser Art dienen der gegenseitig komplementären Ergänzung der jeweiligen Leistungsangebote.

* Autoren der Studie am Centre for Business and Technology in Africa der Hochschule Flensburg:

Prof. Dr. Stefan Liebing (stefan.liebinghs-flensburg.de), Prof. Dr. Kay Pfaffenberger, Prof. Nelly Oelze

 

Bildquellen: Luanda Boomtown: Hermengildo Sebastiao on unsplash.com  / Stefan Liebing: privat

Über die/den Autoren/in
Winfried Hagenhoff

Winfried – früher bei Lufthansa und Geschäftsführer bei TNS und WPP’s Kantar -, ist ein erfahrener Senior Executive Advisor. Er berät seit 1989 Top Manager zu innovativen Produkten und Dienstleistungen, kreativ und auf empirischer Basis, immer mit dem Ziel, Daten in Wert zu setzen in neuen Strategien für Marken und beste Kundenerfahrungen. Besonders reizen ihn Tech-getriebene Innovationen in Mobilität (Auto, Tourismus, Transport, Sharing), Kommunikation, Gesundheitswesen, Öffentliche Dienste und Infrastruktur, sowie Produktion.

Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer bei der Infraquest GmbH unterstützt er seit zwei Jahren Tech-Start-Ups und – pro bono – soziale Institutionen.


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